Abschied unter Tränen


Bildlegende: Viele Fans wollen Captain de Azevedo Camargo (2) nochmals spielen sehen. (Foto Olgan Vartanyan)

Mit einem grossartigen Publikum im Rücken zeigen die Glarner Volleyballerinnen eine gute Leistung, doch gegen Val-de-Travers holen sie diesmal keine Punkte.


Die Affiche war speziell: Thais de Azevedo Camargo, neun Jahre Teamleader, Captain und zweimal auch Spielertrainerin bei Glaronia verabschiedete sich im letzten Heimspiel dieser Saison von ihren Fans und Freunden. Diese waren in Scharen gekommen, auch ihre Schülerinnen und Schüler, und sie füllten die Kantihalle.


Der Druck war gross, dem erwartungsvollen Publikum tollen Volleyballsport zu zeigen, und dies ist auch gelungen. Die Stimmung war derart gut, dass man nach dem Abpfiff bald vergessen hatte, dass die Partie in einer Niederlage für Glaronia endete.


Das Team von Beltramelli begann etwas nervös und tat sich schwer mit dem starken Block der Brasilianerinnen im Team von Val-de-Travers. Passeuse Aebli bemühte sich, variantenreich zu spielen, doch die Gegnerinnen reagierten schnell. Den jungen Angreiferinnen im Glarner Team war jetzt die noch fehlende Erfahrung anzumerken: Beltramelli wechselte in der Aufstellung mehrfach zwischen Duss und Hofacher, doch beide 17-Jährigen fanden zu selten einen Weg, um Punkte zu erzwingen. So lastete dann erneut eine grosse Verantwortung auf de Azevedo Camargo, wobei ihr Lenzinger gut zur Seite stand. Auch die Mittelblockerinnen Nikolovska und Dukic boten gute Szenen, doch das Spiel entscheidend zu beeinflussen, vermochten sie nicht.


Glaronia musst den Gästen den ersten Satz zugestehen, kam im zweiten Spielabschnitt deutlich näher an die Neuenburgerinnen heran, hatte gegen das Satzende einen guten Lauf und kam auf 21:23 heran, doch dann versagten die Nerven in der Annahme.


Im dritten Satz sah man eine deutliche Steigerung der Glarnerinnen, die mit ein paar unwiderstehlichen Aktionen Val-de-Travers distanzierten. Der entnervte Trainer Souza legte sich nun mit dem Schiedsrichter an, reklamierte bei jeder Aktion und provozierte eine Verwarnung. Gleichzeitig wechselte er Castellani als Angreiferin ein, obwohl sie eigentlich als Libera auf dem Matchblatt eingetragen war. Dies wäre durchaus ein Grund für einen Protest gewesen, doch Glaronia verzichtete darauf. Auch die Schiedsrichter hätten zu Spielbeginn das Neuenburger Team genauer kontrollieren müssen. Überraschend ruhig verhielt sich der sonst temperamentvolle Beltramelli angesichts der entstehenden Konfusion. Ihm gelang es, sein Team weiterhin aufs Spiel zu fokussieren, was schliesslich auch den Satzgewinn brachte.


Im vierten Satz sah man ein Glaronia, wie man es diese Saison schon gelegentlich beobachten konnte, wenn es nicht rund lief: Das Team kämpfte tapfer, verteidigte Ball für Ball, zeigte lange Spielzüge, doch im Angriff fehlten dann Mut und Entschlossenheit. Wenn dann noch zwei oder drei Annahmen in Serie missrieten, war der Rückstand schon gross. Gegen Satzende brachte Beltramelli nochmals Desam als Passeuse ins Spiel, und Aebli griff an – es wurde wirklich alles versucht. Am Ende musste man den Neuenburgerinnen zugestehen, dass sie das bessere Team waren.


Eine Partie die in Tränen endet, ist nicht ungewöhnlich. Die Emotionen sind gross, nach hartem Kampf und manchmal gefühlt unglücklichem Spielverlauf. Doch diesmal trauerte kaum jemand im Team der Niederlage nach, sondern es war die Verabschiedung von Captain de Azevedo Camargo, die ihre Mitspielerinnen rührte. Das Team verliert mit ihr die zentrale Figur, doch es hat auch die eine oder andere Spielerin, die in eine wichtige Rolle hineinwachsen können. Aebli und Lenzinger sind schon lange dabei und können noch mehr Verantwortung übernehmen und Nikolovska hat gerade diese Saison gezeigt, was für eine grosse Kämpferin und Vorbild sie sein kann. Und da ist noch Juniorin Zwanenburg, die verletzungsbedingt seit Dezember ausser Gefecht ist, nun aber langsam wieder zu trainieren beginnt. Sie hat nicht die Routine von de Azevedo Camargo, doch bezüglich Qualitäten in Angriff und Annahme, steht sie ihrem Vorbild nicht nach.


Volleyball Frauen NLB Playoffs:


VBC Glaronia - VBC Groupe E Val-de-Travers 1:3 (18:25, 21:25, 25:17, 20:25)

Halle: Kantonsschule Glarus – Zuschauer: 300 - Spieldauer: 89 Min. – Schiedsrichter: S. Signer, J. Bastante


Glaronia: de Azevedo Camargo, Lenzinger, Dukic, Hofacher, Aebli, Nikolovska, Duss, Desam, Schnyder, Bogosavljevic. Coach: R. Beltramelli Filho


Val de Travers: Duarte, Simonin, Benvenuti, Matera, Castellani, Schmutz, Gonçalves de Oliveira, Ferreira da Silva, Cabanes, Py Sofia. Coach: L. Souza


Bemerkungen: Glaronia ohne Zwanenburg (verletzt)

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